Mit der Kuhglocke in die nächste Runde

Mehr als 200 Schüler nutzten gestern das Beruf-Speed-Dating. Das städtische Jugendamt hatte zusammen mit dem Unternehmerkreis Kempen zu der Premiere eingeladen. Dabei konnten Schüler Ausbildungsbetriebe kennenlernen.

KEMPEN. Die Mensa der Kempener Martinschule ist zu einem kleinen Messegelände verwandelt. 17 verschiedene Unternehmen sowie die Fontys-Hochschule aus Venlo und die Berufsberatung der Agentur für Arbeit haben Stände aufgebaut, an denen schon von weitem erkennbar ist, wer der Gesprächspartner ist. Ein großer Plan zeigt an, wo welche Firma zu finden ist und welche Ausbildungsberufe jeweils angeboten werden.

“Die Übersicht ist wirklich gut. Hier sieht man direkt, wer in welchen Bereichen ausbildet. Ich war gerade bei Pfeiffer Chemie und Schönmackers, um mich über die Unternehmen zu informieren und einen ersten Kontakt zu knüpfen. Jetzt geht es noch zu Alders”, sagt Leon Kornowicz. Der 16-Jährige besucht die Klasse 10 ader Erich Kästner Realschule. Einen Ausbildungsplatz sucht er noch nicht, da er erst sein Fachabitur machen möchte. Aber die Gelegenheit, verschiedene Betriebe kennenzulernen und für Praktika vorzusprechen, möchte er sich nicht entgehen lassen. Nicht
nur er ist erstaunt, in welchen Bereiehen Kempener Firmen teilweise ausbilden. Köchin möchte Selina Ochsendorf zwar nicht werden, aber trotzdem ist sie überrascht, dass die Sparkasse eine Ausbildung zum Koch anbietet, weil sie eine eigene Kantine betreibt. Die 16-jährige Schülerin der Martinschule macht im nächsten Jahr ihren Abschluss und möchte dann eine Lehre beginnen. “Hier kann ich persönlich bei Unternehmen vorsprechen, mein Interesse zeigen, Fragen stellen und so ‘ein stückweit feststellen, ob die Ausbildung etwas für mich sein könnte. Ich finde es wirklich
klasse, auf diesem Weg einen direkten Kontakt herzustellen”, meint Selina.

Und genau darum geht es den Veranstaltern, dem Jugendamt der Stadt Kempen und dem Unternehmerkreis Kempen. Gemeinsam haben sie das erste Beruf-Speed-Dating organisiert, zu dem alle weiterführenden Schulen ab der neunten Klasse – einschließlich des Berufskollegs – eingeladen worden sind. “Wir hatten 170 feste Anmeldungen. Dazu sind noch etliche Schüler spontan vorbei gekommen”, erklärt Jugendamtsleiterin Heike Badberg hoch erfreut über die gute Resonanz.

Erste Kontakte zwischen Schülern und Firmen können geknüpft werden, wobei es für beide Seiten eine Win-Win-Situation ist. Zehn Minuten haben Schüler und Finnenvertreter Zeit, dann bimmelt eine Kuhglocke und läutet die nächste Runde ein. -“Gute Auszubildende finden wird immer schwerer. Viele wollen direkt studieren. Beim Berufs-Speed-Dating können wir Schülern klar machen, dass es nicht direkt das Studium sein muss, sondern dass die praktische Ausbildung eine gute Basis darstellt, auf der man aufbauen kann”, sagt Martin Alders vom gleichnamigen Elektronik-Unternehmen. Alders zählt zu den Organisatoren der Veranstaltung. Ihn freut es, dass seine ersten drei Gesprächspartner direkt nach einem Praktikumsplatz gefragt haben. Anfragen
nach Praktika erhält auch Heinrich Poeth. In seinem Notizblock stehen schon mehrere Namen von interessierten Schülern. “Wir erhalten hier die Chance, jungen Menschen unseren Beruf vorzustellen und sie zu beraten. Das ist eine wichtige Sache”, meint der. Bäckerund Konditormeister. Eine Wiederholung des Beruf-Speed-Dating ist bereits geplant. “Wir werden die Fragebögen zur Veranstaltung, die die Schüler ausgefüllt haben, auswerten und schauen, ob wir etwas optimieren können”, sagt Garten- und Landschaftsarchitektin Karin Drabben, die ebenfalls zum Organisationsteam gehört. Die Veranstaltung soll ein fester Bestandteil im Beratungsprogramm der weiterführenden Schulen in Kempen werden.

von Bianca Treffer


Rheinische Post
30.04.2016