Welche Firma passt zu mir?

Bei einem “Speed-Dating” trafen Schüler auf Unternehmen.

Kempen. Jugendamts-Mitarbeiterin Barbara Brüggemann hatte auf dem Trödelmarkt für wenig Geld eine große Kuhglocke erstanden. Die Glocke erklang alle zehn Minuten. Das war das Zeichen, nicht die Alm, sondern den Stand zu verlassen beziehungsweise zu wechseln. Denn in der Mensa der Kempener Martinschule fand das erste Berufs-Speed-Dating statt.

Jugendamt und der Unternehmerkreis Kempen (UKK) hatten die Idee in die Tat umgesetzt. Etwa 150 Schüler der weiterführenden Schulen nahmen gestern daran teil. “Sicherlich hatten wir uns zur Premiere eine etwas stärkere Resonanz erhofft, aber wir freuen uns über jeden, der die Veranstaltung mit einem kleinen Erfolgserlebnis verlässt”, sagte Jugendamtsleiterin Heike Badberg.

“Es ist wie die Königsetappe der Tour de France.”
Heinrich Poeth, Bäckereimeister, wählt einen sportlichen Vergleich

Zumeist waren es Schüler der neunten Klasse, die die insgesamt 17 Unternehmer und Dienstleister aus den Kempener Stadtteilen kennenlernen wollten. Aber nicht nur einzelne Schüler freuten sich darüber, in den kommenden Ferien erst einmal einen Praktikumsplatz gefunden zu haben – unter anderem beim Entsorger Schönmackers oder beim St. Huberter Bäckermeister Heinrich Poeth. Unter den Unternehmen waren unter anderem die Alders Elektronik GmbH, Werbeagenturen oder Armaturenbauer.

Ganz besonders strahlte der Geschäftsführer der Tönisberger Firma Lumitronic, Ulrich Konen. Die Firma hat sich auf Wämepumpen spezialisiert und möchte seit längerem einen AUszubildenden zum Mechatroniker einstellen. Konen kam mit dem Realschüler Nico ins Gespräch – und der 17-]ährige war höchst interessiert. Ulrich Konen: “Wir haben bereits ein zweites Treffen vereinbart.”

Für viele Schüler war die gestrige Veranstaltung kein lästiger Pflichttermin. Die meisten jungen Leute hatten sich vorher bereits telefonisch angemeldet. Unter ihnen war auch Mara. Die 15-jährige Schülerin der Erich-KästnerRealschule hatte sich darauf bestens vorbereitet, sogar ihren handgeschriebenen Lebenslauf mitgebracht. Sie besuchte unter anderem den Stand der Sparkasse, schaute bei Schönmackers vorbei und und steuerte auch die Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft LADM an. “Ich möchte später mal im Büro arbeiten, entweder als Kauffrau oder als Steuerfachangestellte”, so Mara. Auch sie hatte für die Sommerferien schon zwei jeweils zweiwöchige Praktika vereinbart.

Am Stand des Jugendamtes saß ]onas. Der 15-Jährige erkundigte sich danach, ob er in einem Jugendfreizeitheim ein Praktikum oder beim Ferienspaß als Helfer mitmachen könnte.Jonas gestand ein, erst einmal einen Nebenjob zu suchen. Der Schüler will zunächst sein Abi machen.

Auch aus Mülhausen schauten Schülerinnen vorbei

Für Bäckermeister Heinrich Poeth ist ein Praktikum sehr wichtig: “Das ist wie eine Königsetappe bei der Tour de France, denn beide Seiten lernen sich erst einmal kennen, können danach entscheiden, ob es gepasst hat.” Poeth sucht schon länger eine junge Dame, die sich zur Fachverkäuferin ausbilden lässt.

Das Interesse war hoch. Sogar einzelne Schülerinnen der Liebfrauenschule Mühlhausen schauten vorbei, sie hatten vom Termin aus der Zeitung erfahren. Im Laufe des Morgens informierten sich auch junge Leute vom Kempener Berufskolleg. Die Schüler konnten danach auf einem Blatt eintragen, wie es ihnen gefallen hat oder ob es Verbesserungsvorschläge gibt. Heike Badberg war sich sicher: “Es werden garantiert weitere solcher Veranstaltungen folgen.”

Von Willi Schöfer


Westdeutsche Zeitung
30.04.2016